Jürgen Manemann : Ist das Potential so groß, dass wir die Risiken eingehen können ?
In einer Abendveranstaltung des LWH am vergangenen Montag diskutierten Horst Kemmeter (Leiter KKE), Dr. Gerhard Feige (Abteilungsleiter Atomaufsicht), Prof. Dr. Jürgen Manemann (Leiter des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover) und Michael Fuest (Stadtrat der Gruenen) die Auswirkungen der Kernkatastrophe in Fukushima.
Seit dem Moratorium müssen wir Strom importieren, so der KKE-Leiter Horst Kemmeter. Dieser Strom käme überwiegend aus Tschechien und Frankreich. In einer Powerpoint-Präsentation stellte er die technischen Einzelheiten der Katastrophe dar und verglich die technischen und die geologischen Merkmale der unterschiedlichen Standorte. Ein größeres Erdbeben in dieser Region hätte es zuletzt 1356 mit einer geschätzten Intensität von 6 auf der Richterskala gegeben. "Wir sprechen von 30.000 Toten durch das Erdbeben und nicht durch das Kraftwerksunglück". Kemmeter klärt als Ingenieur detailliert über die technischen Unterschiede von Druckwasser- und Siedewasserreaktoren auf, ohne auf die langfristigen Folgen der radioaktiven Strahlung für die Bevölkerung einzugehen.
Zur Rechtmäßigkeit der Stillegung alter Kernkraftwerke im Rahmen des Moratoriums befragt, weist der Leiter der Atomaufsicht Dr. Feige darauf hin, dass nach §19 Atomgesetz der Bundesminister für Umwelt eine Anlage durch entsprechende Anordnung stillegen kann.
Jürgen Manemann nimmt das Thema der Veranstaltung auf und stellt fest, daß nur Opfer und Helfer den Unterschied zwischen vor der Katastrophe und nach der Katastrophe kennen. "Wir haben keine Erkenntnis von Fukushima, nicht mal Wissen", "Die Rede von Betroffenheit wird zur reinen Betroffenheitsrhetorik, wenn sie keine Konsequenzen hat". Manemann geht dabei auf die vielen Betroffenheitsbekundungen zur aktuellen Situation in Fukushima ein und berichtet selbst über Gespräche mit einem ehemaligen Kraftwerksleiter und einer leitenden Ingenieurin des Lenin-Kraftwerkes von Tschernobyl, die die damalige Katastrophe für völlig unwahrscheinlich hielten. "Jeder 2. aus dem Gebiet leidet an Schilddrüsenkrankheiten, viele Kinder haben poröse Knochen. Die Kinder sind die Hauptbetroffenen. Wir sind unfähig die Katastrophe als Katastrophe anzusehen."
Michael Fuest geht auf die jüngere Geschichte der Kernenergie in Deutschland ein. "Skandale, Schlampereien". Gorleben und Asse seien Beispiele dafür. Er nimmt das Thema der billigen Kernenergie auf und weist darauf hin, dass z.B. Fördergelder nicht berücksichtigt werden. "Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens !" so Fuest.
Im Anschluss kommt es zu einer Fragerunde : "Die statistische Unwahrscheinlichkeit einer Reaktorkatastrophe ist in meinem Leben bereits mehrfach eingetreten" so ein Mathematik-Student. " Auch die Kollegen in Japan haben sicher pflichtbewusst gehandelt". Michael Fuest antwortet mit diesem Satz einem Mitarbeiter der Erprobungsstelle in Meppen, der von Simulationen eines Geschossaufpralls auf die Betondecke des Reaktorcontainments berichtet.
"Die Energiefrage ist die politische Frage schlechthin"."Wir müssen die Gesellschaft in dieser Frage pazifizieren" schließt der gebürtige Lingener Jürgen Manemann ab. Ab 2050 können nach Gutachten des BMU 100% der Energie regenerativ erzeugt werden. "Nicht die Kernenergie, sondern vielmehr die Energieeffizenz muss die Brückentechnologie sein. Atomkraft ist keine Lösung.
Weitere Informationen zum Thema:














[url]http://www.youtube.com/watch?v=M ...
Vorführungen am 17. + 18. April jewei...
Da sind die sonst als dröge und phleg...
Spenden sind - besonders in der Weihn...
Leider scheint es zur Zeit in Mode ge...