Stadtblatt Lingen

Lingen, Sonntag der 20. August 2017

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1. Internationales Sommerfest

Schon beim Betreten des VHS – Forums konnte man sehen: Auf der Weltkarte waren zahlreiche Fähnchen gesteckt, die anzeigten, aus welchen Ländern die Besucher der Veranstaltung kamen. Die in Lingen ehrenamtlich tätigen Integrationslotsen hatten am vergangenen Samstag zum 1. Internationalen Sommerfest die bei uns in der Stadt und Umgebung lebenden Migranten eingeladen. Damit sollte ein gegenseitiges Kennenlernen in ungezwungener Atmosphäre ermöglicht werden. Rund einhundert Anwesende bekundeten ihr Interesse daran. Vorsorglich war das Fest entsprechend der Wetterlage nach innen verlegt worden, was sich ja auch als sinnvoll erwies, auch wenn zusammen gerückt werden musste und Stehplätze nicht vermeidbar waren.

Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte der Oberbürgermeister von Lingen, Dieter Krone, übernommen. In seiner kurzen Rede an die Anwesenden drückte er seine Anerkennung aus, dass sich Bürger seiner Stadt für die ehrenamtliche Arbeit als Integrationslotsen entschieden haben. Er empfahl auch den Migranten, die Möglichkeit eines solchen Engagements zu nutzen. Auch würdigte er die Zusammenarbeit mit dem SKM, dem Freiwilligen Zentrum und der Lingener Tafel bei der Migrantenbetreuung.

In seiner Begrüßung erläuterte Jürgen Blohm von der VHS – Lingen in seiner Funktion als Projektleiter für die Ausbildung der Integrationslotsen deren Rolle in unserem Umfeld. Insgesamt hatten im Rahmen eines vom Emsland und der Lotto – Sport – Stiftung finanzierten Projekts drei Kurse für die Ausbildung von Mitbürgern zu Integrationslotsen stattgefunden. Vor allem aus dem zweiten und dritten Kurs heraus hat sich vor einigen Monaten eine Gruppe von 25 Ehrenamtlichen gebildet. Sie trifft sich monatlich zweimal, um sich über notwendige Aktivitäten und Erfahrungen bei der Begleitung der Migranten auszutauschen. Betont wurde, dass alle Aktivitäten der Gruppe ehrenamtlich erfolgen, d.h. dass die Lotsen kein Geld für ihre Tätigkeit erhalten. Ihre Einsätze sind vor allem auch für die Migranten kostenlos. Ein besonderes Merkmal der Gruppe ist, dass eine Reihe ihrer Mitglieder selbst Migrationshintergrund haben. Das erweist sich nicht nur auf Grund eigener Erfahrungen als nützlich, sondern ist für die Betreuung von Migranten aus demselben Sprachraum von Vorteil. Die Gruppe sucht noch weitere Mitstreiter. Ganz besonders willkommen sind, wie schon erwähnt, Menschen mit Migrationshintergrund. Im Herbst wird ein neuer Ausbildungskurs für Integrationslotsen stattfinden.

In Interviewrunden sprachen einige Integrationslotsinnen und Integrationslotsen über die Beweggründe sich für diesen Aufgabenbereich zu arrangieren. Alle Beteiligten betonten aber auch, dass die Arbeit nicht nur eine Einbahnstraße ist, sondern man selbst viel zurück bekommt. Eine gute Voraussetzung dafür, dass Lotsenarbeit, bei aller Problematik, auch Spaß macht. Und Teilnehmer des Gesprächskreises für Männer unterstrichen, wie wichtig ihnen dieses Angebot ist. Dieser von Johann Koops initiierte Gesprächskreis trifft sich jeden Dienstag im Freiwilligen Zentrum in Lingen. Koops leitet auch dieses Projekt, welches der Vertiefung der deutschen Sprache dienen soll. Dabei wird kein Unterricht erteilt, sondern in Gesprächen wird locker über aktuelle Themen aus dem Zeitgeschehen, aber auch über eigene Probleme debattiert.

Nicht unerwähnt blieb, dass inzwischen auch ein Gesprächskreis für spanisch sprechende Migranten von Blanca Hornedo Otero begonnen wurde, der sehr regen Zuspruch erhält. Welche Bedeutung eine solche Möglichkeit des Austausches für Migranten hat, zeigt der Teilnehmerkreis, der über die Grenzen Lingens hinaus geht.

Der kulturelle Beitrag mit Liedern und Tänzen des Ensembles „Rossinka" fand viel Beifall. Es war nicht nur ein Beitrag russischer Folklore, sondern auch ein Beispiel, wie alte Traditionen ihrer früheren Heimat gepflegt werden und damit die hiesige Kultur bereichern. Besonders viel Beifall erhielten die Darbietungen mit den Kindern im Ensemble. Sie sprechen fließend die deutsche Sprache, singen aber eifrig auf Russisch mit. Die selbst genähten traditionellen Kostüme rundeten die Darbietungen ansehenswert ab.

Inzwischen werden die Lotsen nicht mehr nur vom SKM, dem Freiwilligenzentrum Lingen und dem Stadtteiltreff Abenteuerspielplatz unterstützt, sondern es entwickelt sich eine ergänzende Zusammenarbeit. Aus diesem Grund nahmen auch Vertreter dieser Einrichtungen teil und waren mit eigenen Ständen als Ansprechpartner vertreten. Auch die Lingener Tafel war mit einem eigenen Stand präsent, sind doch ein Teil ihrer Kunden Migranten. Das TPZ mit seinem Mitmachzirkus war vor allem für die anwesenden Kinder ein zusätzlicher Magnet neben dem eigentlichen Programm. Doch auch das von den Lotsen betreute Spielzimmer fand immer wieder Zuspruch der kleinen Besucher. Und in die Wartenden beim Kinderschminken reihten sich nicht nur Mädchen ein. Es gab viele Gespräche, auch bei Kaffee und Kuchen im Bistro der VHS. Hier herrschte zeitweise sogar Platzmangel.

Zum Schluss wurde es noch einmal spannend. Dagmar Homeyer, ebenfalls Lotsin, hatte ein kleines Quiz zur Stadt Lingen vorbereitet. Wer den Fragebogen ausgefüllt hatte, durfte aus den per Los zu vergebenden Preisen wählen. Hierfür hatten die Integrationslotsen bei Einrichtungen und Geschäften eifrig geworben.

Gewonnen haben wohl alle Beteiligte, sowohl die Besucher als auch die Veranstalter. Davon zeugen die rege geführten Gespräche untereinander. Neue Kontakte wurden geknüpft, man wird sich wiedersehen. Und erste Anmeldungen für die nächste Ausbildung zum Integrationslotsen gab es auch – von Migranten. Foto: © Privat

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